Das wär mir was wert

Die Musik-Streamingdienste werden von einigen Künstlern wegen der geringen Einnahmen stark kritisiert. Ist der Ruf  „Fuck Spotify“ berechtigt?

Nach und nach etablieren sich Musik-Streamingdienste wie Simfy oder Spotify mit ihren Flatrates um die 10 Euro/Monat. Und die Interpreten sorgen sich um ihre Einkünfte, da – im Falle von Spotify „nur“ ca. 0,005 Dollar pro gespieltem Song (1/2 Cent) an die Künstler gehen. Das wirft Fragen auf.

Was verdienen denn Künstler an einem CD-Verkauf? Die Angaben schwanken – je nachdem wen man fragt – zwischen 64 Cent (4% bei einem Verkaufspreis von 15.99 €) und 1,96 € (12,27%). Bemerkenswert an dieser klassischen Form des Vertriebes ist, dass dieser Betrag einmalig beim Kauf anfällt. Unabhängig davon, wie oft die CD im Player landet. Und wenn die CD irgendwann wieder – als Gebrauchtware – auf den Markt geworfen wird, bekommt der Künstler: Null.
Gehen wir also einmal davon aus, dass ein Künstler, optimistisch gerechnet, etwa 1,5o € am Verkauf einer CD verdient.

Streaming ist gerecht

Wie sieht es beim Streaming aus? Bei – z.B. – Spotify erhält der Künstler einen kleinen Beitrag immer dann wenn der Titel tatsächlich gehört wird. Pro Titel. Wenn also 20 Titel am Tag (=600 im Monat) gehört werden, so gehen im Monat etwa drei Euro an die Künstler der tatsächlich gehörten Titel – was in etwa der Ausschüttung entspricht die ein Künstler erhielte, würde ich monatlich zwei CDs zum Vollpreis erwerben (ehrlichgesagt: die Jahre in denen ich insgesamt 24 CDs gekauft habe sind doch äußerst selten).

Werden CDs gehört?

So gesehen scheint sich tatsächlich nicht so dramatisch viel für die Künstler zu ändern. Bis auf die Tatsache dass das Abrechenmodell von Spotify in meinen Augen „gerechter“ erscheint, weil es sich auf die tatsächlich gehörten Titel bezieht und nicht auf den Kauf auf Verdacht – wieviele CDs landeten denn nach zwei- dreimal Hören auf Nimmerwiedersehen im Regal?
Ehrlich gesagt glaube ich, dass im Wesentlichen das Marketing ein Problem mit der Abrechnung über tatsächlich gehörte Titel hat: Ein Künstler kann vermutlich nur kurze Zeit im Fokus der Aufmerksamkeit gehalten werden. CDs werden i.A. innerhalb weniger Wochen rausgehauen und es ist egal, ob das jemand ein halbes Jahr später noch mal anhört. Für die Künstler hat das natürlich auch Folgen insbesondere für One-Hit-Wonder – aber das sind schon wieder andere Überlegungen.

Jetzt wird es spannend

Das Spotify Abrechenmodell bietet, anders als der CD-Vertrieb, Luft nach oben. Wie wäre das: statt 10 € bezahle ich – freiwillig – 15 € im Monat (oder mehr) und die Differenz von 5 € wird unter den tatsächlich gehörten Künstlern aufgeteilt. Das würde ich tun um eben genau den Künstlern die ich höre einen angemessenen Betrag zukommen zu lassen um auch in Zukunft qualitativ hochwertige Musik hören zu können.
Bei 600 monatlich gehörten Titeln könnte der halbe Cent der an die Interpreten geht locker verdoppelt werden. Wie so was geht weiß flattr aus Malmö. Wir erinnern uns: Nach dem Motto „Das ist mir was Wert“ wird ein monatlich eingezahlter Betrag auf die entsprechend markierten Inhalte (z.B. Blogartikel oder Beiträge aus der Online-taz) aufgeteilt.

Hoppla, die sitzen ja gleich bei Spotify (Stockholm) um die Ecke. Vielleicht sollten die mal reden!

 

Veranstaltungshinweise

Im Herbst stehen wieder einige Veranstaltungen der Wirtschafts- und Sozialakademie (wisoak) auf dem Plan die ich als Dozent bzw. Vortragender betreuen darf:

  • Online Marketing Manager – 5.9.-22.9.2012: Kompaktkurs – in 30 Stunden die wichtigsten Themen und Trends im Online-Marketing
  • Social Media – Übersicht und Bedeutung – Bremen: 11.10.2012, Bremerhaven: 18.10.2012: Kostenloser Vortrag zum Thema im Rahmen des Projektes „Qualifizierung von Frauen in betrieblichen Funktionen und Management“ – QuaFiMa.

Ich freue mich auf viele Teilnehmer und spannende Diskussionen!

Wer ist die Zielgruppe?

Thomas Knüwer hat kürzlich zu Recht moniert, dass in den einschlägigen Medien nach wie vor häufig von der „Netzgemeinde“ gesprochen wird. Als sei dies eine kleine Minderheit: „Das klingt nach Kirche. Nach Kult. Nach Sekte.“. Dabei ist diese Gemeinde längst zum Mainstream geworden. Niemand – NIEMAND – kommt mehr am Netz vorbei. Ob es nun als gesellschaftlich bahnbrechende Errungenschaft oder Untergang des Abendlandes wahrgenommen wird ist aber wieder in viele Einzelmeinungen separiert. Wenn man also Kommunikation für das Internet betreibt, so muss man die Gesamtheit der Bevölkerung betrachten in all ihrer Diversifikation.

Wie diese Vielfalt sich nun in Bezug auf die Wahrnehmung und Nutzung des Netzes darstellt hat nun ein Institut mit dem etwas sperrigen Namen „Deutsches Institut für Vertrauen und Sicherheit im Internet“ (DIVSI) untersuchen lassen. Schirmherr dieser Organisation war (warum auch immer) der jetzige Bundespräsident Joachim Gauck. Er hat mit seinem Vorwort und der kategorischen Warnung vor einem Angriff auf die Freiheit durch das Netz der inhaltlichen Wahrnehmung dieser Studie wahrscheinlich mehr geschadet als genützt. Durchgeführt wurde sie nämlich vom namhaften SINUS-Institut. Dieses hat für die im Marketing so wichtigen Zielgruppen-Analyse wertvolle Dienste bei der Darstellung und Untersuchung der sog. SINUS-Milieus geleistet:

Die Sinus-Milieus® verbinden demografische Eigenschaften wie Bildung, Beruf oder Einkommen mit den realen Lebenswelten der Menschen, d.h. mit ihrer Alltagswelt, ihren unterschiedlichen Lebensauffassungen und Lebensweisen.

Trotz aller Skepsis die ich einem solchen Unterfangen entgegen bringe: Da das Internet nun zur Alltagswelt dazugehört, ist eine Milieu-Studie in Bezug auf diese neue Lebenswelt überfällig. Und die „DIVSI Milieu-Studie zu Vertrauen und Sicherheit im Internet“ leistet dazu einen wichtigen und mit sozialwissenschaftlichen Methoden untermauerten Beitrag. Sie unterscheidet drei grundsätzliche Gruppen in Bezug auf deren Einstellung zum Internet:

  • Digital Outsiders: Diese Gruppe ist entweder vollkommen offline oder stark verunsichert im Umgang mit dem Internet, das sie daher so gut wie gar nicht nutzt.
  • Digital Natives: Zugehörige dieser Bevölkerungsgruppe sind mit dem Internet groß geworden und haben dieses in vollem Umfang in ihr tägliches Leben integriert.
  • Digital Immigrants: Diese Gruppe bewegt sich zwar regelmäßig, aber sehr selektiv im Internet und steht vielen Entwicklungen darin skeptisch gegenüber, insbesondere wenn es um die Themen Sicherheit und Datenschutz geht.

Diese Gruppen sind nicht wirklich neu, sie werden aber eingehend klassifiziert, untersucht und beschrieben. Die Studie zeigt auch plastisch, dass die digitale Kluft tatsächlich existiert: Neben ca. 41% Bevölkerungsanteil die sich zu den „Digital Immigrants“ zählt, sind 40% den Digital Outsiders zuzurechnen – obwohl nur 20% komplett „offline“ sind. Das ist nicht so besonders erstaunlich, aber doch untermauert dies das allgemeine Gefühl, welches man immer hatte.

Die Studie bietet mir darüber hinaus einiges an Lesematerial für eine bessere Zielgruppen-Orientierung bei der Konzeption von Internet-Angeboten. Es gibt sie in Kurz- und Langfassung zum kostenlosen Download. Das ist doch mal schön!

Kurze Musikunterbrechung

Irgendwann auf der Schwelle zum Erwachsenwerden habe ich in einer kurzen Phase Musik illegal kostenlos aus dem Netz gezogen, es aber dann schnell wieder gelassen: Zu aufwändig ganze Alben zu finden und mangelnder Respekt vor den Künstlern. Danach habe ich mich noch lange geweigert Musik auf eben jenem digitalen Wege legal zu erwerben. Das Gefühl in einen Laden zu gehen (ja, gehen!), sich für ein, zwei Tonträger zu entscheiden, ein Jewelcase zum ersten Mal zu öffnen, die CD einzulegen und die ersten Takte zu hören… Das wollte ich lange nicht missen. Seit ein paar Jahren ist es aber vernünftig geworden, zum Download zu greifen: DRM Freiheit, gute Qualität, schnelle Verfügbarkeit, faire Preise und mannigfaltiges Angebot haben mich zu einem guten Kunden bei iTunes und Amazon werden lassen. Trotzdem war ich zunehmend unzufrieden: Ein (durch Selbstdisziplin) begrenztes Budget machten Fehlkäufe soch immer wieder zum Ärgernis und einiges ließ ich dann auch links liegen – obwohl darunter sicher die ein- oder andere Perle versteckt war. Nun, und jetzt: Spotify. Flatrate. Super.

Mein Eindruck nach den ersten Tagen:

  • Es funktioniert. Der Stream startet schnell – auch auf dem Smartphone oder dem iPad (eine echte iPad-App fehlt aber leider noch)
  • Meine Befürchtung, dass ich das Hören im Album-Format aufgeben und einzelne Tracks bevorzugen würde hat sich für mich nicht bestätigt. Ich kann nun endlich alles in Ruhe hören. Als ganzes Album. Von vorne bis hinten.
  • Alles? Nun, zumindest fast. Einige Dinge finde ich leider (noch) nicht (Beispiele gefällig? Peter Licht und Bonnie „Prince“ Billy fehlen fast vollständig. Auch der Jazz-Katalog ist arg begrenzt)
  • Ärgerlich: Bereits vorhandene Alben können auch schonmal wieder verschwinden. So z.B. geschehen mit dem neuen Album der Nits „Malpensa“. Selbst eine Offline-Synchronisierung sperrt die Titel wieder.

Und ich höre und höre: Neue Sachen wie alte. Ich entdecke, taste mich weiter, schwelge in Erinnerung, verwerfe Dinge, die mir nicht gefallen. Ich habe Spaß! Und damit ich den Überblick nicht verliere, notiere ich meine Entdeckungen in einem neuen Blog drüben auf olemo.de. Und weil ich das für eine so gute Idee hielt, baue ich das, was ich an Büchern lese und an Filmen sehe gleich mit dazu.

Übrigens: Ich lese Bücher aus Papier und sehe Filme, die ich im Fernsehen aufnehme oder auf DVD/BlueRay leihe und abspiele – oder gehe gar ins Kino! Sollte ich das in naher Zukunft anders machen – z.B. mit dem fantastischen neuen iPad und/oder AppleTV werde ich darüber berichten.

Vortragseinladung

Im Rahmen des vom Europäischen Sozialfonds (ESF) geförderten Projektes „Qualifizierung von Frauen in betrieblichen Funktionen und Management – QuaFiMa“ bietet die wisoak Bremen folgende Veranstaltung an:

Social Media – Übersicht und Bedeutung
Vortrag: Ole Mollenhauer (Experte und Dozent für digitale Kommunikation)
Kaum jemand kann sich dem Sog der sozialen Medien im Internet entziehen. Schon längst hat Facebook mehr Besucher als der Suchmaschinenriese Google. Allein in Deutschland sind 10 Millionen Nutzer Mitglied dieser größten und bekanntesten Sozialen Plattform. Der Einfluss der Sozialen Medien bleibt aber nicht auf das Internet beschränkt – Blogs, Twitter, Xing, Facebook und ganz neu: Google+ haben und werden in Zukunft einen nachhaltigen Einfluss auf unsere Gesellschaft haben. Sascha Lobo, Strategieberater, Autor und Internet-Experte sagt: „Ich halte die Auswirkungen auf die Gesellschaft und besonders auf die kommenden Generationen für so revolutionär, als wären Buchdruck, Telefon und Fernseher gleichzeitig erfunden worden.“
Im Rahmen dieses Vortrages werden wir die rasante Entwicklung und Vielfalt der Social Networks in den vergangenen Jahren betrachten und lernen die Anwendungsmöglichkeiten und Unterschiede der verschiedenen Plattformen kennen. Dabei untersuchen wir sowohl persönliche Szenarien im privaten und beruflichen Bereich als auch die Nutzung dieser Medien im Firmenkontext für z.B. Marketing und Personalrecruiting. Bei aller Begeisterung lassen wir uns aber nicht nur durch die faszinierenden neuen Möglichkeiten blenden: Auch die Gefahren und Risiken die durch diese neuartige Transparenz und der damit einhergehende Kontrollverlust der eigenen Informationsströme werden zur Sprache kommen.
Termin:  23.02.2012, 17:00 – 20:00 Uhr
Ort:  Bertha-von-Suttner-Str. 17, 28207 Bremen
Teilnahmepreis:   kostenlos
zur Anmeldung

Bitte weitersagen.

Jahresrückblick und der Zeitgeist

Das Internet zeigt uns deutlich, wie weit wir es mit dem Mitte der neunziger Jahren geprägten Begriff „Globalisierung“ gebracht haben. Vor 15 Jahren musste man sich noch die NZZ am Bahnhofskiosk besorgen um eine einigermaßen aktuelle, nicht westlich-zentristische, deutschsprachige Berichterstattung zu bekommen. Und irgendwie war es klar, dass das Internet bei unserer Wahrnehmung der Welt irgendwann in der Zukunft eine große Rolle spielen wird. Und genau so ist es ja auch gekommen – nur schneller.

So ist der globale Rückblick auf das Jahr 2011, den Google uns anhand der dort gestellten Suchanfragen zusammenstellt wieder beeindruckend:

Interessant dabei ist, dass die Nutzungsstatistik dieses Videos (zur Zeit immerhin 2,7 Mio. Zugriffe) insbesondere in Afrika große weiße Flecken aufweist:

Wir müssen uns also mal wieder vor Augen halten, dass die Verbreitung des „World Wide Web“ nicht gleichmäßig erfolgt.

Und noch etwas ist mir aufgefallen – und das ist zumindest aus deutscher Sicht DER Kommentar des Jahres. So sieht der Google-Rückblick aus dem vergangenen Jahr aus:

Schnörkel? Tasten!

Das Erlernen des Schreibens in den Grundschulen wird zur Zeit heiß diskutiert. Nein, nicht das „ob“ (obwohl – auch da sind einige offensichtlich nicht ganz so sicher) sondern das „wie“: Man muss sich nämlich mal klar machen, dass das Schreiben in den ersten Schuljahren im Grunde genommen zweimal gelernt wird: Zunächst die Druckschrift – mit dem Ziel das Lesenlernen zu unterstützen.  Und dann irgendwann später die Schreibschrift mit der die Buchstaben dann zu einer flüssigen Handschrift verbunden werden.

[blockquote_right]In den Plädoyers für die „Grundschrift“ erscheinen die Kinder schon angesichts kleiner Schnörkel und Verbindungsbögen als Figuren hoffnungsloser Überforderung und extrem geringer Frustrationstoleranz, deren feinmotorische Fähigkeiten und Auge-Hand-Koordination nur äußerst zart in Anspruch genommen werden dürfen.
Sieht man aber Grundschulkindern daheim beim Hantieren mit elektronischen Apparaturen und Tastaturen zu, erweisen sie sich als Virtuosen feinmotorischen Lernens und einer geradezu traumwandlerisch-spielerischen Auge-Hand-Koordination.
(Lasst die Schnörkel leben! SZ, 7.12.2012)[/blockquote_right]

Nun, und da stellt sich tatsächlich die Frage: Ist es heutzutage noch nötig eine Schreibschrift zu erlernen? Oder reicht eine „Grundschrift“ aus, die sich wenigstens etwas flüssiger schreiben lässt als einzelne Druckbuchstaben? Diese wird in Hamburg bereits an einigen Schulen als einzige Schrift in der Grundschule eingeführt. Mehr dazu an anderer Stelle.

Ich habe mir noch keine allerletzte Meinung gebildet, stelle aber fest, dass ich – außer für gelegentliche Notizen für den Eigenbedarf – kaum noch handschriftlich Texte verfasse. Wenn ich es doch einmal tue, nutze ich auch eine sehr eigene Mischung aus Schreibschrift- und Druckschrift-Elementen. Mein Schreib-Medium ist nunmal die Tastatur. Und ich denke, das geht heute Vielen so. Ich könnte mir also vorstellen, dass ein Verzicht auf die Schreibschrift durchaus möglich ist. So könnten Grundschulen die beim Erlernen einer zweiten Schrift eingesparten Unterrichtsstunden ja für den Erwerb von Medienkompetenz der Kinder nutzen. Und das fände ich ja mal echt angebracht. Auch – oder gerade – wenn der Umgang mit den neuen Medien so einfach erscheint.

Und wer die neue Grundschrift nicht (mehr) lernen möchte, kann diese als Computer-Font hier erwerben und per Tastatur eingeben. Ist das nicht toll?