Jahresrückblick und der Zeitgeist

Das Internet zeigt uns deutlich, wie weit wir es mit dem Mitte der neunziger Jahren geprägten Begriff „Globalisierung“ gebracht haben. Vor 15 Jahren musste man sich noch die NZZ am Bahnhofskiosk besorgen um eine einigermaßen aktuelle, nicht westlich-zentristische, deutschsprachige Berichterstattung zu bekommen. Und irgendwie war es klar, dass das Internet bei unserer Wahrnehmung der Welt irgendwann in der Zukunft eine große Rolle spielen wird. Und genau so ist es ja auch gekommen – nur schneller.

So ist der globale Rückblick auf das Jahr 2011, den Google uns anhand der dort gestellten Suchanfragen zusammenstellt wieder beeindruckend:

Interessant dabei ist, dass die Nutzungsstatistik dieses Videos (zur Zeit immerhin 2,7 Mio. Zugriffe) insbesondere in Afrika große weiße Flecken aufweist:

Wir müssen uns also mal wieder vor Augen halten, dass die Verbreitung des „World Wide Web“ nicht gleichmäßig erfolgt.

Und noch etwas ist mir aufgefallen – und das ist zumindest aus deutscher Sicht DER Kommentar des Jahres. So sieht der Google-Rückblick aus dem vergangenen Jahr aus:

Brauchen wir eine Facebook Gewerkschaft?

Eigentlich wollte ich zum Launch der Timline (Chronik) dies hier schreiben – und es dann sein lassen:

Facebook Timeline freigeschaltet – Oder: Heute ist in China ein Sack Reis umgefallen.

Aber so einfach ist es dann doch nicht. Facebook hat weltweit 800 Millionen aktive User, 50% davon nutzen es täglich (Vgl. hier). In Deutschland sind es über 10 Millionen Nutzer, immerhin 13% der Bevölkerung (Vgl. hier). Dies ist übrigens noch ein vergleichsweise geringer Bevölkerungsanteil. In Frankreich sind es 30% in den USA 42% und in Island 59%.

Facebook wird häufiger besucht als Google. Es gibt „Freunde“ von denen ich keine Mailadresse kenne, sondern die (offensichtlich) ausschließlich über Facebook kommunizieren. Und ich bin davon überzeugt, dass es auch Nutzer gibt, die glauben im Internet zu sein und eigentlich Facebook meinen. Denn das ist das Ziel dieser Plattform: Die Beherrschung des Netzes. Das kann man u.a. an den Diskussionen über Datenschutz beim „Like Button“, den Umgang mit Daten im Allgemeinen und einem zunehmenden Unmut der Nutzer über das Reaktionsverhalten von Facebook darauf ablesen.

Auch der Konkurrenzdruck, der sich durch Google+ dem Platzhirschen der Sozialen Netzwerke eingestellt hat, hat noch nicht wirklich etwas substantielles verändert. Ein paar Zugeständnisse an die Nutzer um die Privatsphäre besser zu kontrollieren – und das war’s.

Und das User-Interface: Unübersichtlich, nicht zu verstehen, einfach schlecht designed.

Nun, und jetzt hat Facebook die Timeline eingeführt. Es haben sich Datenschützer gefunden, die Facebook sogar dafür loben, dass die Anwender nicht sofort gezwungen sind, diese zu Nutzen. Oh jeh. Die Transparenz, die ein Leben auf der Timeline dem Einzelnen aufbürdet, kann dieser gar nicht einschätzen.

Da ist es kein Wunder, dass einige Nutzer dies überdrüssig werden. Ja, von einer Facebook Müdigkeit ist die Rede.

Die Macht, die Facebook allein durch die schiere Zahl von angemeldeten Usern hat. Menschen die Facebook in ihr Leben eingebaut haben wie Kaffee trinken oder telefonieren (ach nein, das tun die ja gar nicht mehr…) sollte doch die Benutzer stutzig machen. Sie sollten aufbegehren gegen eine solche Übermacht. Sie können sich über Facebook nicht in anderen Sozialen Netzwerken beschweren, weil sie dort keiner hört. Sie müssen es aus Facebook heraus tun.

Wir brauchen wohl so etwas wie eine Facebook-User-Gewerkschaft. Oder gehen halt rüber. Zu Google+

Der Gefährte (Textmate alpha 2.0 erscheint)

Man stelle sich vor es ist das Jahr 2007 und du kaufst dir einen Hammer. Nicht irgendeinen Hammer, sondern DEN Hammer1. Einen, den du gerne und täglich benutzt, der alles tut, was man von ihm erwartet und vieles mehr, wenn man es ihm beibringt.  Ein Hammer, der  sich cool und sexy und elegant anfühlt. Einer, für den du sogar neue Balken und Nägel2 kaufst, weil sie mit dem neuen Hammer nicht funktionieren.

Trotzdem kannst du es  es in Zeiten des rasanten technischen Fortschritts nicht fassen, dass es auch nach, sagen wir, zwei Jahren kein Nachfolgemodell gibt, obwohl der erste ja so erfolgreich war. Nun, dann benutzt du eben den Alten weiter. Er tuts noch. Ist ja kaum abgenutzt.

Und dann, nach einiger Zeit dann eine Nachricht aus den Entwicklungslabors: Am Hammer 2.0 wird gearbeitet. Und er ist nicht nur neu und shiny sondern:

Every part has been completely rewrittendesigend to take advantage of the lessons learned from the years of version 1.3

Und: 90% davon seien schon fertig. Es kann also nicht mehr lange dauern bis Du ihn endlich in den Händen hältst.
Das war im Juni 2009. Und was kam danach? Nichts. Der Entwickler, mutmaßt man, habe eine – äh – Entwicklungsblockade. Und dabei bleibt es. Lange. Sehr lange. Bis Gestern.

Und jetzt ist er da, der Hammer 2.04 und ich traue mich gerade aus Zeitmangel nicht mit einem neuen Hammer zu befassen. Wer weiß ob der auch so gut funktioniert wie der, den ich schon habe. Der Alte tut doch noch…


1) Textmate, ein Texteditor für Programmierer und Andere die mit Texten zu tun haben
2) Textmate läuft nur auf Mac OS
3)  Ankündigung der neuen Version am 14. Juni 2009
4) Textmate Alpha 2.0 erscheint am 13.12.2011

TYPO3: Security Guide

TYPO3 ist ein Monster. Ich verbinde mit diesem CM-System eine gewisse Hassliebe – und erkläre es immer mal wieder für tot um dann doch wieder gute Gründe zu haben darauf zu setzen. Was habe ich mir schon die Zähne daran ausgebissen an alten Installationen, die schon mehrere Entwickler-Generationen gesehen haben oder auch mit uralten Erweiterungen laufen. Und doch können selbst in schwierigen Fällen immer Lösungen gefunden werden. Es ist am Ende immer alles auffindbar und an seinem Platz. Und: Welches System kann schon von sich behaupten über 10 Jahre kontinuierlich weiterentwickelt worden zu sein. Außerdem ist es so weit verbreitet und beliebt, dass bei der Neuausrichtung von Webprojekten häufig TYPO3 als einziger Projekt-Baustein von Anfang an gesetzt ist.
Schon immer war die gute Dokumentation des Projektes ein Garant für den Erfolg von TYPO3. Die recht steile Lernkurve am Beginn der Einarbeitung kann damit schnell genommen werden. Diese Dokumentation wird nun durch ein sinnvolles Dokument ergänzt: dem Security Guide.

Dieser bietet nicht nur wertvolle Hinweise zur Pflege und Administration von TYPO3-Projekten sondern beinhaltet auch einen allgemeinen Ratgeber zu Angriffspunkten und potentiellen Sicherheitslöchern in Webanwendungen bis hin zu Backup-Strategien und Hinweisen zum Vorgehen im (Hacker-)Angriffsfall.

Zielgruppe dieses nützlichen Dokumentes sind nicht nur TYPO3-Administratoren, -Entwickler und –Integratoren sondern auch Redakteure die das Backend bedienen. Denn Sicherheit muss jeden angehen.

Lesen!

 

Schnörkel? Tasten!

Das Erlernen des Schreibens in den Grundschulen wird zur Zeit heiß diskutiert. Nein, nicht das „ob“ (obwohl – auch da sind einige offensichtlich nicht ganz so sicher) sondern das „wie“: Man muss sich nämlich mal klar machen, dass das Schreiben in den ersten Schuljahren im Grunde genommen zweimal gelernt wird: Zunächst die Druckschrift – mit dem Ziel das Lesenlernen zu unterstützen.  Und dann irgendwann später die Schreibschrift mit der die Buchstaben dann zu einer flüssigen Handschrift verbunden werden.

[blockquote_right]In den Plädoyers für die „Grundschrift“ erscheinen die Kinder schon angesichts kleiner Schnörkel und Verbindungsbögen als Figuren hoffnungsloser Überforderung und extrem geringer Frustrationstoleranz, deren feinmotorische Fähigkeiten und Auge-Hand-Koordination nur äußerst zart in Anspruch genommen werden dürfen.
Sieht man aber Grundschulkindern daheim beim Hantieren mit elektronischen Apparaturen und Tastaturen zu, erweisen sie sich als Virtuosen feinmotorischen Lernens und einer geradezu traumwandlerisch-spielerischen Auge-Hand-Koordination.
(Lasst die Schnörkel leben! SZ, 7.12.2012)[/blockquote_right]

Nun, und da stellt sich tatsächlich die Frage: Ist es heutzutage noch nötig eine Schreibschrift zu erlernen? Oder reicht eine „Grundschrift“ aus, die sich wenigstens etwas flüssiger schreiben lässt als einzelne Druckbuchstaben? Diese wird in Hamburg bereits an einigen Schulen als einzige Schrift in der Grundschule eingeführt. Mehr dazu an anderer Stelle.

Ich habe mir noch keine allerletzte Meinung gebildet, stelle aber fest, dass ich – außer für gelegentliche Notizen für den Eigenbedarf – kaum noch handschriftlich Texte verfasse. Wenn ich es doch einmal tue, nutze ich auch eine sehr eigene Mischung aus Schreibschrift- und Druckschrift-Elementen. Mein Schreib-Medium ist nunmal die Tastatur. Und ich denke, das geht heute Vielen so. Ich könnte mir also vorstellen, dass ein Verzicht auf die Schreibschrift durchaus möglich ist. So könnten Grundschulen die beim Erlernen einer zweiten Schrift eingesparten Unterrichtsstunden ja für den Erwerb von Medienkompetenz der Kinder nutzen. Und das fände ich ja mal echt angebracht. Auch – oder gerade – wenn der Umgang mit den neuen Medien so einfach erscheint.

Und wer die neue Grundschrift nicht (mehr) lernen möchte, kann diese als Computer-Font hier erwerben und per Tastatur eingeben. Ist das nicht toll?

 

Medien bewachen

Nein, dies ist weder ein Bildblog-Clon noch ein Beitrag zur erneut aufgeflammten Diskussion um die Vorratsdatenspeicherung. Auf www.medienbewachen.de wird eine Übersicht der deutschsprachigen Social Media Monitoring Tools dargestellt. Betreiber ist die schwedische Blog-Suchmaschine twingly. Leider ist das wiki zur Zeit wegen Vandalismus nur per beantragtem Login zu editieren – das wird vermutlich das Wachstum dieser sinnvollen Übersicht ausbremsen.

Trotzdem: Dies ist eine gute (und etwas ausführlichere) Ergänzung zur englisch-sprachigen Übersicht von Ken Burbary. Ich hoffe, dass diese weiterhin gepflegt wird.